Status PM an Hochschulen

Studie „Makroökonomische Vermessung der Projekttätigkeit in Deutschland“ (10/2015)

Auf der Basis einer Stichprobe von 500 Unternehmen wurde der Anteil der Projekttätigkeit im Verhältnis zur regulären Arbeit ermittelt. Dieser Anteil kann in Deutschland über alle Wirtschaftsbereiche hinweg auf 34,7 % beziffert werden. Er ist seit 2009 um etwa 20 % angestiegen und wird bis 2019 voraussichtlich weiter auf über 40 % wachsen. Aufgrund dieser Studie der GPM kann die These einer zunehmenden Projektifizierung der deutschen Wirtschaft  damit bestätigt werden.

Der Stellenmarkt für Projektmanager boomt, bei Stepstone liegt die Trefferquote bei 11.000 offenen Stellen mit dem Titelinhalt „Projektmanagement“ (Stand März 2017)


Frage: Wie reagieren die Schulen und Hochschulen auf die Nachfrage von Absolventen mit Projektmanagementkompetenzen?


Gymnasien

Bei den Pädagogen wurde in den 1990er Jahren der Projektunterricht „entdeckt“ und in die Schulen gebracht, in Bayern absolvieren heute alle Gymnasiasten ein Team-Projekt in den Klassenstufen 11+12, dabei ist die Lehre von Projektmanagementmethoden nicht ausdrücklich Bestandteil des Lehrplans im Kultusministerium Bayern : „Im Laufe von drei Halbjahren eignen sie sich allgemeine Kenntnisse über Studiengänge und Berufsfelder an und erhalten über die Zusammenarbeit mit externen Partnern Einblicke in die heutige Arbeits- und Berufswelt. Die Verknüpfung der Studien- und Berufsorientierung mit dem gemeinsam geplanten und durchgeführten Projekt schafft den Rahmen, Selbst- und Sozialkompetenzen weiterzuentwickeln, den Blick für die eigenen Wünsche, Interessen und Stärken zu schärfen und diese zu hinterfragen.“

An der Wilhem Wagenfeld Schule in Bremen wurde ein Film über ihre Ausgestaltung und Erfahrung einer Projektwoche gedreht (12Min). Die Fachgruppe „Projektmanagement an Schulen“  hat umfangreiche Unterlagen zur Durchführung von Projektarbeiten an Schulen zusammengestellt und unterhält eine Webseite pm-schule.de . Die Wirtschaft fördert und wündigt Projektarbeiten an der Schule, so wird jährlich ein Preis für das beste Projekt-Seminar von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V vergeben.

Seit einigen Jahren etablieren sich Projekte von Hochschulen mit Schülergruppen, um diese an die Universitäten zu führen. Nachfolgend sind einige Beispiele aufgeführt:

  • Die Hochschule Augsburg kooperiert mit dem Gymnasium des Stetten Instituts und Dr. Grandel, um ein Interesse an MINT-Studiengängen bei Schülerinnen zu wecken. Diese erste Zusammenarbeit erfolgte 2014 im Rahmen des P-Seminars der Oberstufe: „Wie kommt die Creme in die Tube?“ und wurde vom Frauenbüro, im Rahmen d

    Einführung ins Projektmanagement, am Jakob-Fugger-Gymnasium Dez.2016

    er Initiative GoMINT!,  der Hochschule Augsburg organisiert und finanziert. Inzwischen  finden jährlich Schülerprojekte in Kooperation Gymnasium, Hochschule und Industriepartner statt. Das Projekt wird mit je zwei Veranstaltungen zum Projektmanagement von Claudia Stöhler begleitet, in denen ein Basiswissen zum Projektmanagement vermittelt wird.
 
  • Die Hochschule Würzburg unterstützt als externer Partner die Gymnasien der Region bei der Durchführung von Projekt (P)- und Wissenschaftspropädeutischen (W)-Seminaren.  Mit Projektideen für P-Seminare soll Schülerinnen und Schülern ein Einblick in die Studiengänge der FHWS sowie die daran geknüpften Berufsfelder gegeben werden. Im Rahmen von W-Seminaren engagiert sich die FHWS im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens, bei der inhaltlichen Konzeption einzelner Seminararbeiten, sowie bei der theoretischen und experimentellen Umsetzung.
 
  • Die frühzeitige Information über Studien- und Berufsmöglichkeiten sowie eigenes Erleben soll eine fundierte Studienfachentscheidung ermöglichen. Für Prof. Dr. Norbert Kuhn, Präsident der Hochschule Trier, ist die Kooperation mit den Schulen aus der Region ein zentrales Anliegen: „Durch die Zusammenarbeit mit den Schulen können wir die Berufsbilder unserer Studiengänge für die Schülerinnen und Schüler transparenter machen. Wir suchen den Austausch mit den Schulen, um dann später den angehenden Studierenden einen optimalen Start ins Studium ermöglichen zu können. Das durchgängige Bildungsangebot von der Schule in die Hochschule unterstützt darüber hinaus auch das Fachkräfteangebot in der Region.“ Herr Fries, Schulleiter des Gymnasium Birkenfeld, welches mit der Hochschule Trier Schülerprojekte durchführt, betont: „Mit der Kooperationsvereinbarung wird die seit vielen Jahren bewährte gute Zusammenarbeit zwischen dem Gymnasium Birkenfeld und der Hochschule in einem Vertrag festgeschrieben. So bietet der Umwelt-Campus regelmäßig während unserer Projektwochen Workshops für unsere Schüler an, die meist mit großem Zuspruch besucht werden. Wir animieren unsere Oberstufenschüler auch zum Besuch der Ferienpraktika der Hochschule und honorieren die Teilnahme durch Punkte zum Erwerb unseres MINT-Zertifikats. Umgekehrt haben in der Vergangenheit mehrfach Studierende des Umwelt-Campus im Rahmen ihrer Ausbildung an unserer Schule Projekte durchgeführt.

Hochschulen und Universitäten

Mit der Kompetenzorientierung im Rahmen des Bologna-Prozesses begann ein Umdenken an deutschen Hochschulen und Universitäten. Projektarbeit an Hochschulen wurde vereinzelt als didaktische Methode zur Erarbeitung von Sachthemen eingesetzt – problemorientiertes Lehren und Lernen wurde das Stichwort. Als eigenständiges Lehrgebiet ist Projektmanagement an Universitäten nur schwach besetzt, wie an der auch heute sehr überschaubaren Anzahl an Professuren an den Universitäten zu sehen ist. 1975 erhielt Prof. Dr. Heinz Schelle den Lehrstuhl für „Betriebswirtschaftslehre mit besonderer Berücksichtigung des Projektmanagements“ an der Fakultät für Informatik der Universität der Bundeswehr in München.1988  gründete Prof. Dr. Dr.h.c. Sebastian Dworatschek das Institut für Projektmanagement und Wirtschaftsinformatik (IPMI) der Universität Bremen. 2002  erhielt Prof. Dr.-Ing. Konrad Spang den Lehrstuhl für Projektmanagement am Institut für Arbeitswissenschaft und Prozessmanagement (IfA) der Universität Kassel. Prof. Dr. Wehnes hat 2016 in auf dem 7. PM-Tag Rhein-Ruhr einen Vortrag zum Status des Projektmanagements an Hochschulen gehalten.

Heute gibt es ein vielfältiges Lehr- und Studienangebot im Projektmanagement.

In Deutschland studieren 2,8 Millionen Menschen, davon 60% an den Universitäten, oftmals mit Großveranstaltungen, die Frontalveranstaltungen der klassischen Vorlesungen erzwingen. Für Arbeit in kleineren Gruppen, wie in den Seminaren, bestehen oft mehrsemestrige Wartezeiten. Die Hochschulen arbeiten traditionell mit kleineren Semesterstärken, Jahrgänge mit 60 Studierenden oder weniger sind die Regel, so dass sich studentische Projektarbeiten leichter realisieren und betreuen lassen.

https://www.bmbf.de/_mapplication/index.php?AD_CONTENT=34&AD_CONTEXT=35 Laut dem Deutscher Akademischer Austausch Dienst (DAAD), in dem rund 16.000 Studiengänge gelistet sind , gibt es 2016: 92 Projektmanagement Bachelor-Abschlüsse und 87 im Master. In den meisten Fällen ist Projektmanagement ein Schwerpunkt im Hauptstudium. 32 Universitäten und 148  Hochschulen sind hier mit Abschlüssen im Titel „Projektmanagement“ gelistet.
Die 426 Hochschulen sind mit 46.300 Professoren und knapp 700.000 Hochchulmitarbeitern personell ausgestattet. Jährlich beginnen rund 500.000 (2015) Menschen mit einem Studium und 460.000 (2014) schließen es ab, 28.000 mit einer Promotion (2014). Quelle Bild und Zahlen: BMBF
Beispiele der Studiengänge:
Bauwesen/Projektmanagement – Design- und Projektmanagement- Immobilienprojektmanagement- Integratives Projektmanagement- Internationales Projektmanagement- Projektmanagement Bau- Projektmanagement Bau und Immobilie/Fassade/Ausbau- Projektmanagement Infrastruktur/ Logistik- Projektmanagement und Engineering- Projektmanagement/Bauingenieurwesen- Prozess- und Projektmanagement- Technische Redaktion und Projektmanagement- Wirtschaftsingenieurwesen – Internationales Technisches Projektmanagement- Wirtschaftsingenieurwesen/ Projektmanagement